aussetzen

Birgit Mattausch und ich haben uns auf zwei Klappstühle gesetzt. An Orten, wo man es nicht erwartet: Nachts mitten auf einer Wiese. Im Nebel neben einem Trampelpfad. In einer Unterführung. An den Bahngleisen.

Wir haben uns ausgesetzt. Der Kälte. Den Menschen. Den Fragen. Uns gegenseitig und uns selbst.

Einige Gedanken wollen wir euch hier und auf Birgits Blog zusammen mit den Bildern vorstellen. Wir haben dazu die Tage von Palmsonntag bis Ostern gewählt.

 

Palmsonntag 

 

 

Mich aussetzen

Sollte ich mich aussetzen? Wer wäre ich, wenn ich mich nicht aussetzen würde? Wer wäre ich, wenn ich mich ganz aussetzen würde? Was ist das Maß? Liegt es dazwischen? Ist Aussetzen grundsätzlich maßlos? Sollte ich an die Grenzen dessen gehen, was ich mir selbst zumuten kann? Kann man von Aussetzen sprechen, wenn ich nur bis an meine Grenzen gehe? Sollte ich ein unnötiges Risiko eingehen?

Verwundbarkeit

Sollte ich mich unverwundbar machen? Ist Unverwundbarkeit tödlich? Ist Verwundbarkeit tödlich? Was von beidem ist der schönere Tod? Wie kann ich leben?

(Text: Sebastian Schmid)

 

Montag

 

Es half, dass es Nacht war. Und mein Mantel rot im fremden Land.

Die Nacht: Was tust du?
Ich: (schweige)
Die Bäume: Wen suchst du?
Ich: (schweige)
Das Gras: Was weinst du?
Ich: (schweige)

Es half, dass einer tat desselbigengleichen. Dass ein anderer später um mich eine Decke legte aus Wörtern und aus Liebe.

(Text: Birgit Mattausch)

 

 

Dienstag

 

Flugsame im Wind
Mein Herz ist heute –
Leicht bekleidet bloss
Treibt frühlings wie ein Same in der Luft
Und friert

Paradise now
Paradise now
Sagte Er zu dem am Rand
im schwarzen oder roten Kleid

Ist Tod die kleine Pause?
für die eine Lebenslüge
Und die andre auch?

Und Paradies
Ein weisser Lichtfleck
Neblig früh am Morgen
In dem Garten
Der dir nicht gehört?

Tanz am Kreuz
Kann man Schreie tanzen?
Wenn unser Stück zu Ende geht
und den Fuss auf eine Bahn
aus Nebel setzen
ohne Fallen in ein Nichts?

(Texte von Martina Schwarz)

 

Mittwoch

Aussetzen!

„Wer hat denn die ausgesetzt?“
„Oh Mann, eigentlich ist mir das total unangenehm – hier auf dem Klappstuhl. Die starren mich alle an.“
„Mein Gott, ist das lächerlich. Sich am Bahnhof auf einen Klappstuhl zu setzen, geradeaus zu starren und sich dabei fotografieren zu lassen.“
„Ob die überhaupt verstehen, was ich hier tue?“
„Die ist mal mutig! Ich würde mich sowas nie im Leben trauen. Da wird man ja von allen Seiten nur für dumm gehalten oder sogar blöd angemacht.“
„Oh mein Gott. Ob das beklemmende Gefühl irgendwann nachlässt? Sonst packe/klappe ich hier gleich zusammen.“
„Ach du Schreck! Da sind ja zwei von der verrückten Sorte.“
„Zum Glück bin ich nicht allein.“

Wer ist hier wirklich ausgesetzt?
Wer ist wem ausgesetzt?
Das liegt im Auge des Betrachters.
Jesus MUTet nicht nur sich etwas zu, auch MIR. Das ist Leben! Das ist Auferstehung!

(Text: Sophie Zäh)

 

Gründonnerstag

 

 

Ausgesetzt, ek-sistent ist man von Geburt an. Jeder schützt sich deswegen. Einzig Liebe läßt zu schutzlos zu sein. Jesu Leben zeigt das. Im Brot gibt er alles, was er hat: sich. Deswegen stellt die katholische Kirche das Brot aus. Dies ist mein Leib. Dies ist mein Innerstes, sagt Gott. Menschen knien davor. Und so ist es: Zeigt jemand Seele, so ist es zum Niederknien

 

 

(Text: Thomas Hirsch-Hüffell)

 

 

Karfreitag

 

aussetzen

 

Karsamstag

 

aushalten

 

Ostern

 

 

 

 

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