aussetzen/verschenken 8

8. Dämonen II
 
„Ich schreibe ein Gedicht. Extra für Sie.“ 
Die Leute mögen das. Vor allem die Frauen. 
Sebastian sitzt neben mir. Er macht Bilder aus dem Ruß von Kerzen. Sie sehen aus wie Wolken, Wind und Geheimnisse. Die Frauen mit den praktischen Schuhen möchten sie nicht. Vielleicht meinen sie, das sei keine Kunst. 
Ich merke, dass ihm das etwas ausmacht. Er ist so ausgesetzt auf seinem Stuhl. Soll ich meine Gedichte nicht mehr anbieten? Oder zumindest nicht mehr so? Wenn ich nicht da wäre, wäre es dann leichter für ihn? 
Und weiter: Bin ich zuviel? Wenn ich einfach nur da bin. Nehme ich anderen den Platz weg? Wenn ich einfach nur da bin und womöglich vergnügt. 
Ist es eine Sünde, ich zu sein? 
Ich sitze ausgesetzt auf dem Stuhl. Jetzt kichern meine Dämonen. Wir kennen uns gut.
 
 
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Es gibt eine ganz einfache Erklärung, was der Heilige Geist ist: Die Gabe Gottes. Er ist das, was Gott schenkt: Mut, Frieden, Weisheit, Vergebung, Leben. Der Geschmack von Whisky-Trüffel nach einem Espresso. Das Gefühl, wenn ein verspannter Muskel locker lässt. Der kurze Moment im Gespräch, wenn beide schweigen und sich verstehen. Der Heilige Geist ist, was Gott gibt. Begabung.
Und der Heilige Geist ist Gott. Weil Gott sich selbst gibt. Gott verschenkt sich. Setzt sich aus. 
Um diesem Gedanken nachzuforschen, haben Birgit Mattausch und ich die Reihe „Aussetzen/Ausgesetzt“ auf Pfingsten hin fortgesetzt. Mit dem Schwerpunkt Aussetzen als Sich-Geben, Sich-Verschenken. Verschenken ist das Gegenteil von Verkaufen. Daher ist der Ort  für unser Aussetzen der Markt.
 
Hier (nach und nach) die ganze Geschichte: aussetzen/sich verschenken.
 
 
 

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