martin

Gespaltenes Land
Zerrissene Welt
Ich teil meinen Mantel
Und leg meinen Riss
An den deinen

Blätter zerrissen und aneinander gelegt.


Dazu ein Impuls für die Mitarbeiter*innen des Bischöflichen Jugendamtes:

Überall Zerrissenheit

Vor 82 Jahren ging ein Riss durch Deutschland: Reichspogromnacht.
Aktuell will in Frankreich und Österreich der Terror wieder Risse durch die Gesellschaft ziehen. Das Amerikanische Volk ist gespalten. Maskenpflicht und Lockdown scheiden auch in Deutschland die Gemüter. Ein Virus reißt Familien auseinander, die sich nicht mehr wie gewohnt begegnen.

Das BJA ist zerrissen zwischen Homeoffice und Präsenzarbeit.
Wenn die einen da sind, sind die andern weg. Abstandsregeln, Einbahnstraßen, Lächeln hinter Masken, Reden durch Scheiben.
Es muss so sein. Aber irgendwie zerreißt es uns doch.

Vor vielen Jahren kam einer und hat seinen Mantel zerrissen und mit einem Bettler geteilt. Paradox: Dieses Zerreißen hat die Risse ein wenig geschlossen! Zwei kamen sich etwas näher. Ein bisschen etwas konnte so heilen. Und beiden wurde klar: Wir gehören jetzt zusammen, weil es uns gleich geht, weil wir beide frieren und jetzt denselben Mantel haben.

In der Kapelle ist die Zerrissenheit in einer Installation dargestellt. Einzelne Risse vereinen sich zu einem einzigen. Es ist nicht ganz eindeutig, was dabei entsteht: Einheit oder Zerrissenheit? Ein Spalt oder ein Weg? 

Wer möchte, kann ein Blatt zerreißen und das eigene Zerrissen-Sein dazu legen. Schon allein das Wissen, dass es vielen von uns gleich geht, mag den Riss ein wenig schließen. Vielleicht tut es gut, das Zerrissene einfach in die Kapelle zu legen um mit dem Anflug eines Lächelns zu sagen: Weiß Gott, was das soll!


(Inspiriert von Birgit Mattausch in #KaffeeundKunsten vom 09.11.2020)

Verwandt mit Linie über Blättern.

Verwandt auch mit der Riss und der Riss 2 und Riss im Vorhang.

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