ein weiteres Mal Ja und Nein gesammelt

Gestern Nachmittag war ich ein weiteres Mal in Esslingen um fremde Menschen zu bitten, an jemanden zu denken, dem sie Nein sagen möchten und an jemanden, dem Sie ein Ja schenken. 101 Personen habe ich gefragt: Jugendliche, Erwachsene, Ältere, Menschen verschiedener Nationalitäten, sorgfältig gestylte, weniger modische, Menschen mitten in der Gesellschaft und Menschen am Rand. 50 von ihnen haben mitgemacht.

  • Einer fragte: Das soll Kunst sein? Ich sagte: Ja. Er schüttelte den Kopf. (Auch ein Ja und ein Nein!)
  • Eine schrieb ihre Karten auf Finnisch. Einige auf Englisch. Eine auf Portugiesisch, eine auf Französisch.
  • Eine sagte, das Ja gelte ihrer Mutter. Das Nein ihrem Vater.
  • Eine sagte, die Menschen, die einem am nächsten stehen, verletzten einen am meisten.
  • Eine sagte, sie hätte schon vor einigen Wochen an meiner Aktion teilgenommen. Ich fragte, ob sie noch wisse, wem sie ihr Ja und ihr Nein gewidmet habe. „Klar!“ meinte sie „Das vergisst man doch nicht!“ Im Nachhinein ärgere ich mich, dass ich nicht gefragt habe, ob sie trotzdem noch einmal teilnehmen möchte, und ob sich etwas verändert habe.
  • Eine sagte: „Zuerst wusste ich nicht, was ich schreiben sollte. Mein Kopf sagt Nein, mein Herz sagt Ja.“
  • Eine sagte: „Zuerst wollte ich das Nein meinem Verlobten geben. Wir haben gerade Streit! Hab’s aber doch nicht getan!“
  • Zwei stellten fest: „Wir haben beide unser Nein an einen Lehrer und unser Ja an unsere Familie gegeben!“
  • Einer widersetzte sich mit seinem Nein meiner eigenen politischen Überzeugung. Ich zuckte kurz zusammen.
  • Einer erzählte mir, er hätte so viele Geschichten mit Jas und Neins zu erzählen, das reiche für ein ganzes Buch.
  • Einer, der nicht teilnehmen wollte, kam über eine Stunde später auf mich zu und sagte, er wolle doch mitmachen.
  • Einer meinte: „Sie können ja gar nicht nachprüfen, ob es stimmt, was ich hier notiere!“ „Stimmt.“ sagte ich. „Wie im echten Leben: Ob unsere Jas und Neins wahr oder gelogen sind, kann man oft nicht kontrollieren. Ich vertraue eben.“ „… Verstehe!“
  • Eine fand es zu wenig, nur „Nein von … an …“ zu schreiben. Sie schrieb „Nein von … GEGEN …“
  • Als ich weiterging, fingen zwei an, miteinander über ihre Antworten zu diskutieren. Später diskutierten sie noch immer.
  • Eine bedankte sich: “Die Karten lass ich zwar hier, aber Ja und Nein nehme ich mit. Jetzt muss ich mir überlegen, ob ich es auch ausspreche.”

 

Auch die Erlebnisse der ersten beiden Aktionen gibt es hier: position.

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