reif

 

An manchen Morgen überzieht Raureif das Brückengeländer über den Neckar. Es ist ein magischer Ort zwischen zwei Seiten, weder hier noch da, irgendwo über dem Fluss.

Dann schreibe ich einen Appell in das Eis.

Ich denke nicht viel dabei nach, lasse mich überraschen, was ich schreibe.

Ob der Appell mir oder den anderen Passanten gilt – ich weiß es nicht.

Aber ich mag den Gedanken, dass sich die Schrift im Laufe des Tages in der Sonne auflöst und frage mich, wohin der Appell dann schlüpft: in die Luft, in die Sonne, in den Tag, in den Leser? Oder ist er einfach weg? Verschwindet er erst, wenn er erfüllt wurde?

Zumindest reift irgendetwas.

Manchmal erscheint die Schrift wie von Zauberhand am nächsten Tag wieder.