nichts erreichen müssen

Ich habe Tesakrepp auf den Boden geklebt. Ohne Eile und ohne Ziel. Nach 15 cm hab ich eine Pause eingelegt.

Das war ein seltsames Gefühl. Denn: Noch hatte ich nicht viel geleistet. Andererseits: Es gab ja nichts zu erreichen und ich war niemandem Rechenschaft schuldig. Nach ein paar Minuten machte ich weiter und ließ mich überraschen, wohin der entstehende Weg mich führen mag. Nach wenigen weiteren Zentimeter ruhte ich mich wieder aus. Nicht, dass es anstrengend gewesen wäre, aber ich hatte Lust dazu.

Über mehrere Wochen hinweg habe ich ganz langsam und mit vielen kleinen und längeren Pausen einen Weg aus Kreppband auf de Fußboden einer Kirche geklebt. Ohne Zeitdruck, ohne möglichst viel zurückzulegen oder möglichst schnell sein zu wollen, ohne etwas erreichen zu müssen.

Ich nannte die entstehende Linie „Weg (unvollendet)“.

Irgendwann an einem Abend habe ich das Klebeband von hinten her wieder aufgerollt.

Jetzt frage ich mich: Ist der Weg fertig? Vollendet? Wohin hat mich dieses Spiel geführt? Warum kostet es mich Überwindung, mir Pausen zu erlauben? Ist der Weg ist noch da? Wenn ja, in was hat er sich verwandelt? Wie hat er mich verändert?

Will ich zu viel erreichen?