aufgenommen in Wernau


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Ich habe 12 Einwegkameras an Flüchtlinge in meiner Heimatstadt Wernau verteilt. 12 weitere an andere Bürger und Bürgerinnen. Die Aufgabe dazu: „Du hast maximal 27 Aufnahmen. Fotografiere, was dir an dieser Stadt gefällt oder was dir bemerkenswert erscheint. Ich werde die Bilder entwickeln lassen, dann entscheide dich für eines!“

Warum Einwegkameras?

Für die einen mag es symbolisch sein, dass das Bild von Wernau zuerst entwickelt werden muss, dass so etwas Zeit braucht, und es oft überraschende Ergebnisse hervorbringt. Für andere ist entscheidend, dass alle die gleichen Voraussetzungen haben: die gleiche Optik, die gleiche Anzahl an Bildern, die gleiche Technik. Wieder andere finden diese analoge Form des Fotografierens „ehrlich“: Es gibt keine Möglichkeit, die Bilder digital zu bearbeiten zu löschen.  – Jeder sieht es anders.

Warum die Aufhängung ohne Rahmen?

Weil die Bilder von Wernau – auch im übertragenen Sinn – nie ganz glatt sind? Weil sie so zu unberechenbaren Reflexionen führen sollen? Weil man sich dann spiegeln kann? Weil es unmöglich ist, die Bilder „neutral“ zu betrachten und sie je nach Standpunkt und Perspektive andere Reflexionen und Lichtspiele erzeugen? Oder einfach aus Kostengründen? – Jeder sieht es anders.

Warum Wäscheklammern und Leine?

Die einen mag es an Wäsche erinnern, die zum Trocken aufgehängt ist. Andere erinnern die Wellen an Neckar, Seen und Bodenbach. Für manche ist diese Aufhängung ein Symbol, dass die Stadt in Bewegung und in Veränderung ist. – Jeder sieht es anders.

Warum steht da eine Leiter?

Die einen werden sich fragen, ob hier etwas umgebaut wird. Und wenn ja, was: Die Stadt? Unser Bild von Heimat? Für die andern ist es ein Filmzitat aus „Club der toten Dichter“. Der Lehrer John Keating steigt dabei auf das Lehrerpult und lehrt: „Gerade wenn man glaubt etwas zu wissen, muss man es aus einer anderen Perspektive betrachten, selbst wenn es einem albern vorkommt oder unnötig erscheint. Man muss es versuchen. Und wenn Sie etwas lesen, vollziehen Sie nicht nur die Gedanken des Autors, berücksichtigen Sie auch was Sie denken. Gentlemen, Sie müssen sich um eine eigene Perspektive bemühen.“ – Jeder sieht es anders.

Die Ausstellung „aufgenommen in Wernau“ war über den Sommer 2016 im Quadrium in Wernau zu sehen. Sie wurde unterstützt vom Freundeskreis Flüchtlinge und von der Stadt Wernau.

Fotografen und Fotografinnen:

Salieh Abdu; Christine Baur-Fewson; Petra Behr; Gilbou Ceesay; Ousman Ceesay; David Gebregergis; B. G.-K.; Fisaheye Hadgu; Antonie Hanninger; Bert Heller; Dagmar Hempel; Mustapha Jallow; Almousa Kasem; Gordon Krug; Ngum Lamin; Mahamad Masoud; Beta Rief; Alfred Schiemer; Dr. Cornelia v. Schröders; Marina Schneider; Muhammed Taal; Arfang Tarju; Salem Tokhi; Katharina Weigel

Hier ein Artikel zu „aufgenommen in Wernau“ in den Blättern der Wohlfahrtspflege. Deutsche Zeitschrift für Soziale Arbeit. Nr. 5 2016, in dem ich auf weitere Dimensionen der Aktion eingehe.

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