Ein Geheimnis

„Worüber schweigst du? Was sind deine Geheimnisse? Zu wem machen sie dich? Wieviel kannst du von dir preisgeben, ohne dich selbst zu verraten? … ?“

Das waren die Ausgangsfragen. Carola hat mich aufgefordert, mit ihnen zu spielen.

Ich setzte mich auf einen Stuhl.

Auf den Boden legte ich ein leeres Blatt.

Auf dieses Papier schrieb ich meine Geheimnisse nicht auf.

Ich tat es: Nichts schreiben.

Und ich tat es ganz. Ganz ich. Ganz nicht.

Irgendwann merkte ich, dass ich dafür kein Papier brauchte.

Es war nur ein Symbol meines Schweigens.

Also legte ich es weg, setzte mich wieder auf den Stuhl und schwieg nun ohne Symbol.

Verschwieg sogar das Blatt Papier.

Das Schweigen war da.

Auch ohne mich war es da.

Mein Schweigen brauchte mich nicht, um nichts zu sagen.

Also stand ich auf.

Zurück blieb ein leerer Stuhl.

Ich betrachtete ihn von allen Seiten.

Ich betrachtete mein Nicht-Da-Sein.

Ich betrachtete mich

nicht.

Denn auf dem Stuhl saß ich ja gar nicht.

Auf dem Stuhl saß allenfalls meine Entscheidung, nicht dort zu sitzen.

Und ich schwieg weiter.

Auch auf dem Stuhl.

Auch auf dem Stuhl, auf dem ich nicht saß, schwieg ich. Denn wenn man schweigt, tut man es überall.

Da merkte ich, dass auch der Stuhl überflüssig war.

Ich räumte ihn weg

und ging zum Fenster.

Dann war ich frei.

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