aussetzen/verschenken 10

Wir sitzen jetzt am Bahnhof. Am Markt hat man uns ja vertrieben. 
Eine Frau hat ein Baby um den Bauch gebunden. Kann sich nicht bücken. Das Schild  „Gute Wünsche zu verschenken!“ kann sie lesen. Aber die Zettel mit den  Wünschen, die davor liegen, die kann sie nicht gut aufheben. Ich spreche  sie an: „Darf ich Ihnen einen guten Wunsch überreichen?“ „Ja, gerne!“  „Welchen hätten sie denn gern?“ „Suchen Sie für mich aus!“ Ich lese  durch, was da steht. Obwohl ich genau weiß, was ich geschrieben habe.  Ich suche. Kein Wunsch scheint zu passen. Ich bin nicht zufrieden. Mir  fällt ein, dass ich noch einen in meiner Tragetasche habe. Ich suche.  Sie wartet. Als ich ihn überreichen kann, und sie liest, ist sie  erstaunt. „Ja. Genau. Danke!“ Sie schaut mir in die Augen. Ich habe  lange gewartet. In diesem Augenblick wurde ich gefunden.
 
 
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Es gibt eine ganz einfache Erklärung, was der Heilige Geist ist: Die Gabe Gottes. Er ist das, was Gott schenkt: Mut, Frieden, Weisheit, Vergebung, Leben. Der Geschmack von Whisky-Trüffel nach einem Espresso. Das Gefühl, wenn ein verspannter Muskel locker lässt. Der kurze Moment im Gespräch, wenn beide schweigen und sich verstehen. Der Heilige Geist ist, was Gott gibt. Begabung.
Und der Heilige Geist ist Gott. Weil Gott sich selbst gibt. Gott verschenkt sich. Setzt sich aus. 
Um diesem Gedanken nachzuforschen, haben Birgit Mattausch und ich die Reihe „Aussetzen/Ausgesetzt“ auf Pfingsten hin fortgesetzt. Mit dem Schwerpunkt Aussetzen als Sich-Geben, Sich-Verschenken. Verschenken ist das Gegenteil von Verkaufen. Daher ist der Ort  für unser Aussetzen der Markt.
 
Hier (nach und nach) die ganze Geschichte: aussetzen/sich verschenken.
 

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